Der Aufenthalt in ‘Arafah – Die vierte Säule

Vierte Säule: Der Aufenthalt in ‘Arafah (Al Wuquuf bi ‘Arafah) – Für das Verrichten des Hadschs (große Pilgerfahrt)

1. Die Absicht (Niyah)

Die richtige Absicht (Niyah) ist Voraussetzung dafür, dass Allah eine gute Tat annimmt und diese uns am Jüngsten Tag nutzt. Jede gute Tat soll einzig und allein für die Zufriedenheit und das Wohlgefallen Allahs und in Hoffnung auf Seine Belohnung ausgeführt werden.

Der Aufenthalt in ‘Arafah (Al-Wuquuf bi ’Arafah)

‘Arafah ist eine genau begrenzte Gegend in der Nähe von Makkah innerhalb derer Grenzen man sich am 9. Tag des Monats Dhi-l Hijjah während einer bestimmten Zeit aufhalten muss. Dies ist für die Gültigkeit des Hadsch unabdingbar. Die Zeit, in welcher der Aufenthalt in ‘Arafah den Hadsch gültig macht, ist:

Nach der Zeit des Thuhur-Gebets des 9. Tages des Monats Dhi-l Hijjah bis zum Beginn der Zeit für das Fajr-Gebet (Morgengebet) des 10. Tages des Monats Dhi-l Hijjah. Wer sich nach der Zeit des Thuhur Gebets am 9. Dhi-l-Hijjah in ‘Arafah einfindet, muss dort bleiben, bis die Sonne untergegangen ist. Wer erst in der Nacht in ‘Arafah ankommt, dem genügt ein kurzer Aufenthalt innerhalb der Begrenzung.

3. Die Übernachtung in Musdalifah

Nachdem man in der Nacht auf den 10. Dhi-l Hijjah ‘Arafah wieder in Richtung Makkah verlässt, übernachtet man innerhalb der Begrenzungen eines Ortes, welcher Musdalifah genannt wird und der an Minaa angrenzt. Man hält sich in Musdalifah auf, bis sich der Himmel am Morgen des 10. Dhi-l Hijjah kurz vor Aufgang der Sonne “gelb” färbt, bevor man sich nach Minaa begibt und die Zeit des Werfens der Steinchen am Jamratu-l ‘Aqabah gekommen ist.

Hinweis: Frauen, Kindern und schwachen Menschen sowie denjenigen, die sich um deren Angelegenheiten kümmern, ist es erlaubt, bereits nach der Mitte der Nacht Musdalifah zu verlassen, um nach Minaa zu gehen.

Das Werfen der Steinchen am Jamratu-l ‘Aqabah: Nach dem Verlassen von Musdalifah am Morgen des 10. Dhi-l Hijjah nach Minaa begibt man sich zum Jamratu-l ‘Aqabah, der die äußerste Grenze Minaas Richtung Makkah darstellt, um ihn mit sieben etwa kichererbsengroßen Steinchen, die man zuvor gesammelt hat, zu bewerfen. Der Jamratu-l ‘Aqabah ist somit der Platz für das Werfen der Steinchen, der Makkah am nächsten liegt und der dritte der drei Jamaraat in Richtung Makkah. Nur der Jamratu-l ‘Aqabah wird an diesem Tag mit sieben Steinchen beworfen. Es ist hierbei nicht Notwendig, die Säule/ Mauer zu treffen. Es genügt, wenn die Steinchen das Becken um diese herum erreichen.

Hinweis: Frauen, Kinder und schwache Menschen können sich beim Werfen der Steinchen vertreten lassen und brauchen sich somit nicht selbst zu den Jamaraat begeben, wenn sie ernsthaft Probleme oder gar Schaden befürchten.

5. Das Erbringen des Schlachtopfers

Nach dem Werfen der Steinchen am Jamratu-l ‘Aqabah erbringt man das Schlachtopfer, wenn dies aufgrund der entsprechenden Hadsch-Art notwendig ist. Das Schlachtopfer gilt als erbracht, wenn man entweder ein Schaf schlachtet oder ein siebtel eines Kamels oder ein siebtel einer Kuh erbringt. Wem es nicht möglich ist, ein solches Schlachtopfer zu erbringen, der muss drei Tage während des Hadsch fasten und sieben Tage, wenn er nach Hause zurückgekehrt ist. Wenn man nicht selbst schlachtet, genügt es, bei der Schlachtung dabei zu sein oder die Schlachtung in Auftrag zu geben, ohne selbst zugegen zu sein oder die Schlachtung in Auftrag zu geben, ohne selbst zugegen zu sein.

6. Das Kürzen der Haare

Nachdem das Schlachtopfer erbracht wurde, kürzt man die Haare, wobei es für den Mann Sunnah ist, die Haare zu rasieren.

Bitte beachten: Männer müssen ihr gesamtes Kopfhaar kürzen oder rasieren (an diesem Tag ist das Rasieren der Haare für Männer eindeutig bevorzugt). Es genügt nicht, lediglich einen Teil der Haare zu kürzen.

Frauen sollen von jeder Haarsträhne (ob kurz oder lang) die Länge einer Fingerspitze kürzen. Mit dem Kürzen der Haare ist nun der Ihraam-Zustand teilweise aufgehoben. Es ist nun alles erlaubt, was nach islamischer Regelung außerhalb des Ihraam-Zustands erlaubt ist, außer Geschlechtsverkehr. Erst mit Erfüllung des Tawwaaf al Ifaadhah wird dann der Ihraam-Zustand vollständig aufgehoben.

Hinweis zu den Punkten 3, 4, 5 und dem Tawwaaf al Ifaadha:

Aufgrund der Eindeutigen Aussagen des Propheten Muhammad -Ehre und Heil auf ihm- ist die Einhaltung der Reihenfolge dieser Punkte nicht wichtig.

7. Das Übernachten in Minaa

In den folgenden drei Nächten muss innerhalb der Begrenzungen von Minaa übernachtet werden. Wer es jedoch eilig hat, dem ist es erlaubt, nur zwei Nächte in Minaa zu übernachten, um dann am 12. Dhi-l Hijjah vor dem Sonnenuntergang Minaa zu verlassen, nachdem er die Steinchen an den drei Jamaraat geworfen hat.

8. Das Werfen der Steinchen an allen drei Jamaraat am 11, 12 und 13. Dhi-l Hijjah

Am 11., 12. und 13. Tag des Monats Dhi-l Hijjah werden ab dem Beginn der Zeit des Thuhur-Gebets (Mittagsgebet) jeweils sieben etwa kichererbsengroße Steinchen, die zuvor gesammelt wurden, an allen drei Jamaraat geworfen, wobei man mit dem Jamratu-l Sughraa (der in Richtung Minaa liegt) beginnt, dann den mittleren der Jamaraat (den Jamratu-l Wustaa) bewirft und mit dem Jamratu-l ‘Aqabah abschließt.

Für denjenigen, der Minaa bereits am 12. Dhi-l Hijjah verlässt, entfällt das Werfen am 13. Dhi-l Hijjah. Hinweis: Frauen, Kinder und schwache Menschen können sich beim Werfen der Steinchen vertreten lassen und brauchen sich somit nicht selbst zu den Jamaraat begeben, wenn sie ernsthaft Probleme oder gar Schaden befürchten.

Der Tawwaaf al Ifaadha

Den Tawwaaf al Ifaadhah zu verrichten ist Pflicht und Voraussetzung für die Gültigkeit des Hadsch. Die Zeit für diesen Tawwaaf beginnt mit der Zeit für das Werfen der Steinchen am Jamratu-l ‘Aqabah am 10. Dhi-l Hijjah. Es ist die Sunnah, diesen Tawwaaf bis zum Sonnenuntergang vollzogen zu haben. Derjenige, der die Art des Hadsch des Tamattu’ gewählt hat, verrichtet zudem auch den Sa’ii nach Beendigung des Tawwaaf al Ifaadhah. Dies gilt auch für denjenigen, der die Art des Hadsch des Qiraan oder Ifraad gewählt hat und seinen Sa’ii noch nicht zusammen mit dem „Ankunftstawwaaf“ (Tawwaaf al Quduum) verrichtet hat.

Nach dem Vervollständigen des Tawwaaf al Ifaadhah ist der Ihraam-Zustand nun vollständig aufgehoben.

Der Tawwaaf al Ifaadhah muss nicht zwingend am 10. Tag des Monats Dhi-l Hijjah verrichtet werden und kann auch zu einem späteren Zeitpunkt oder zusammen mit dem Abschieds-Tawwaaf erfüllt werden. Jedoch ist zu beachten, dass man den Ihraam-Zustand des Hadsch erst vollständig mit der Erfüllung des Tawwaaf al Ifaadhah verlässt, was bedeutet, dass bis zu dessen Erfüllung Geschlechtsverkehr verboten bleibt.

Sunan des Wuquuf bi ‘Arafah (Taten entsprechend dem Vorbild des Propheten –Segen und Heil auf ihm-, die jedoch keine zwingende Pflicht darstellen)

1.►Am 8. Tag des Monats Dhi-l Hijjah begibt man sich im Ihraam-Zustand nach Minaa, so dass man das Thuhur-Gebet (Mittagsgebet) bereits dort betet. Somit verbringt man die Nacht in Minaa, bevor man sich dann nach Sonnenaufgang des 9. Dhi-l Hijjah nach ‘Arafah begibt. In Minaa werden die Gebete zu ihrer jeweiligen Zeit, jedoch verkürzt (wie beim Verkürzen des Reisegebets) gebetet.

2.► Beten des Thuhur-Gebets und ‘Asr-Gebets zusammen und verkürzt (wie auf Reise) in der Zeit des Thuhur-Gebets am 9. Dhi-l Hijjah (Tag von ‘Arafah) hinter dem Imaam in Namirah bei ‘Arafah.

3.► Ganzkörperwaschung für den Aufenthalt in ‘Arafah, wobei dies auch für Frauen mit Regelblutungen oder Nachgeburtsblutungen gilt.

4.► Durchgängiges Gedenken Allahs (Dhikr) und sprechen von Bittgebeten (Du’aa) nach dem Beten des Thuhur- und ‘Asr-Gebets und der Ankunft in ‘Arafah bis die Sonne untergegangen ist.

5.► Beten des Maghrib-Gebets und des ‘Ishaa-Gebets zusammen und mit Kürzung des ‘Ishaa-Gebets (wie auf Reise) in der Zeit des ‘Ishaa-Gebets in Musdalifah nach verlassen von ‘Arafah.

6.► Das Stehen in Richtung der Qiblah (Gebetsrichtung) an der Grenze zwischen Musdalifah und Minaa und sprechen von Bittgebeten zwischen dem Fajr-Gebet und der „Gelbfärbung“ des Himmels vor dem Sonnenaufgang am 10. Dhi-l Hijjah, bevor man sich zum Bewerfen des Jamratu-l ‘Aqabah begibt.

7.► Die Reihenfolge zwischen 1. Werfen der Steinchen am Jamratu-l ‘Aqabah 2. Erbringen des Schlachtopfers und 3. Kürzen der Haare am 10. Dhi-l Hijjah.

8.► Bewerfen des Jamratu-l ‘Aqabah am 10. Dhi-l Hijjah zwischen Sonnenaufgang und der Zeit für das Thuhur-Gebet.

9.► Das Essen eines Teils des eigenen Schlachtopfers.

10.► Das Sprechen der Worte: „Allahu akbar.“ („Allah ist am größten.“) beim werfen jedes Steinchens an den Jamaraat.

11.► Stehen in Richtung der Qiblah (Gebetsrichtung) und sprechen von langen Bittgebeten nach dem Bewerfen der ersten zwei Jamaraat am 11., 12. und 13. Dhi-l Hijjah: Man geht hierbei ein Stückchen in Richtung des nächsten Jamrah und steht dann für das Bittgebet.

Hinweis: Nach dem Bewerfen des letzten der Jamaraat, dem Jamratu-l ‘Aqabah wird kein Bittgebet gesprochen.

12.► Das Bewerfen des Jamratu-l ‘Aqabah von der Seite aus, auf der Makkah dann zur Linken liegt.

Tawwaaf al Wadhaa’ah (Abschiedstawwaaf)

Derjenige, der die Riten des Hadsch erfüllt hat, muss direkt vor der Abreise den Tawwaaf al Wadhaa’ah vollziehen, wenn er Makkah verlassen will. Dieser Abschieds-Tawwaaf vervollständigt die große Pilgerfahrt (Hadsch) und ist Pflicht. Erfüllt man diese Pflicht nicht, muss ein Schlachtopfer erbracht werden.

Frauen, die ihre Regelblutung oder Nachgeburtsblutungen haben, sind von der Pflicht des Tawwaaf al Wadhaa’ah ausgenommen. Kranke und Schwache jedoch müssen diesen Tawwaaf vollziehen und sind nicht von dieser Pflicht befreit. Allerdings dürfen sie getragen oder im Rollstuhl gefahren werden.

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