Al Ihraam – Die erste Säule

Pflichten des Ihraam

1. Die Absicht (Niyah): Die richtige Absicht (Niyah) ist Voraussetzung dafür, dass Allah eine gute Tat annimmt und diese uns am Jüngsten Tag nutzt. Jede gute Tat soll einzig und allein für die Zufriedenheit und das Wohlgefallen Allahs und in Hoffnung auf Seine Belohnung ausgeführt werden.

Umrah

Hat man die Absicht, die kleine Pilgerfahrt zu verrichten, so kann man in der ersten Talbiyah die folgenden Worte sprechen:

„Labaik Allahumma labaika ‘Umrah.“
Hier bin ich O Allah, Dir zu dienen; hier bin ich, Dir zu dienen mit der ‘Umrah.“

Hadsch: At-Tamatu

Hat man die Absicht, zunächst die ‘Umrah und dann den Hadsch zu verrichten (At-Tamatu’), so kann man in der ersten Talbiyah die Worte sprechen:

„Labaik Allahumma labaika ‘Umratan mutamti’an bihaa ila-l Hadsch.“
„Hier bin ich O Allah, Dir zu dienen; hier bin ich, Dir zu dienen mit der ‘Umrah (ungefähre Übersetzung:) mit Unterbrechung des Ihraam-Zustands bis zum Hadsch.“

Erklärung: Diese Art der Verrichtung des Hadsch bedeutet, die ‘Umrah vollständig zu verrichten und dann den Ihraam-Zustand mit dem Kürzen der Haare zu verlassen, um sich dann zum Hadsch am 8. Tag des Monats Dhi-l Hijjah erneut in den Ihraam-Zustand zu begeben, jedoch am jeweiligen Standort und ohne Beachtung einer Grenze (Miiqaat). Dann wird der Hadsch verrichtet, wobei am 10. Tag des Monats Dhi-l Hijjah nach dem Tawwaaf al Ifaadhah auch der Sa’ii verrichtet wird. Zur Verrichtung dieser Art des Hadsch gehört das Erbringen eines Schlachtopfers. Ist das Erbringen eines Schlachtopfers nicht möglich, so müssen drei Tage während des Hadsch gefastet werden und sieben Tage nach der Rückkehr.

Hinweis: Der Tawwaaf al Ifaadhah muss nicht zwingend am 10. Tag des Monats Dhi-l Hijjah verrichtet werden und kann auch zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt werden. Jedoch ist zu beachten, dass man den Ihraam-Zustand des Hadsch erst vollständig mit der Erfüllung des Tawwaaf al Ifaadhah verlässt, was bedeutet, dass bis zu dessen Erfüllung Geschlechtsverkehr verboten bleibt.

Diese Art der Verrichtung des Hadsch (At-Tamatu’) war die bevorzugte Art des Propheten -Ehre und Heil auf ihm- und seiner Gefährten -Allahs Wohlgefallen auf ihnen allen-.

Al Qiraan

Hat man die Absicht, die ‘Umrah in Verbindung mit dem Hadsch zu verrichten (Al Qiraan), so kann man in der ersten Talbiyah die Worte sprechen:

„Labaik Allahumma labaika ‘Umratan wa Hadschan.“
„Hier bin ich O Allah, Dir zu dienen; hier bin ich, Dir zu dienen mit der ‘Umrah und dem Hadsch.“

Erklärung: Diese Art der Verrichtung des Hadsch bedeutet, den sog. „Ankunftstawwaaf“ zu vollziehen und dann den Sa’ii gleichzeitig für die ‘Umrah und den Hadsch zu verrichten. Man kürzt dann aber nicht die Haare und bleibt somit im Ihraam-Zustand und vervollständigt ab dem 8. Tag des Monats Dhi-l Hijjah die Rituale des Hadsch, ohne am 10. Tag des Monats Dhi-l Hijjah nach dem Tawwaaf al Ifaadhah den Sa’ii zu verrichten, da dieser Sa’ii schon erfüllt wurde. Zur Verrichtung dieser Art des Hadsch gehört das Erbringen eines Schlachtopfers. Ist das Erbringen eines Schlachtopfers nicht möglich, so müssen drei Tage während des Hadsch gefastet werden und sieben Tage nach der Rückkehr.

Hinweis: Es besteht bei dieser Art des Hadsch die Möglichkeit, den Sa’ii anstatt zu Beginn (also zusammen mit dem „Ankunftstawwaaf“) später zusammen mit dem Tawwaaf al Ifaadhah zu verrichten.

Der Tawwaaf al Ifaadhah muss nicht zwingend am 10. Tag des Monats Dhi-l Hijjah verrichtet werden und kann auch zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt werden. Jedoch ist zu beachten, dass man den Ihraam-Zustand des Hadsch erst vollständig mit der Erfüllung des Tawwaaf al Ifaadhah verlässt, was bedeutet, dass bis zu dessen Erfüllung Geschlechtsverkehr verboten bleibt.

Al Ifraad

Hat man die Absicht, lediglich den Hadsch (ohne ‘Umrah) zu verrichten (Al Ifraad), so kann man in der ersten Talbiyah die Worte sprechen:

„Labaik Allahumma labaika Hadschan.“
„Hier bin ich O Allah, Dir zu dienen; hier bin ich, Dir zu dienen mit dem Hadsch.“

Erklärung: Diese Art der Verrichtung des Hadsch bedeutet, den „Ankunftstawwaaf“ und den Sa’ii für den Hadsch zu verrichten und im Ihraam zu verbleiben, bis man ab dem 8. Tag des Monats Dhi-l Hijjah die Rituale des Hadsch vervollständigt, ohne am 10. Tag des Monats Dhi-l Hijjah nach dem Tawwaaf al Ifaadhah den Sa’ii zu verrichten, da dieser Sa’ii schon erfüllt wurde. Diese Art des Hadsch macht kein Schlachtopfer nötig, da keine ‘Umrah mit dem Hadsch verrichtet wurde.

Hinweis: Es besteht bei dieser Art des Hadsch die Möglichkeit, den Sa’ii anstatt zu Beginn mit dem „Ankunftstawwaaf“ später zusammen mit dem Tawwaaf al Ifaadhah zu verrichten. Außerdem muss der Tawwaaf al Ifaadhah nicht zwingend am 10. Tag des Monats Dhi-l Hijjah verrichtet werden und kann auch zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt werden. Jedoch ist zu beachten, dass man den Ihraam-Zustand des Hadsch erst vollständig mit der Erfüllung des Tawwaaf al Ifaadhah verlässt, was bedeutet, dass bis zu dessen Erfüllung Geschlechtsverkehr verboten bleibt.

Ihraam-Zustand ab der Grenze (Al Miiqaat)

Jeder, der den Hadsch oder die ‘Umrah verrichten möchte, muss sich ab der für ihn nach islamischer Regelung gültigen, örtlichen Grenze (Al Miiqaat) in den Ihraam-Zustand begeben. Die Grenzen sind folgende:

Dhu-l Hulaifah: Dies ist der Miiqaat der Leute aus Madiinah sowie derjenigen, die aus deren Richtung kommen.

Al Juhfah: Dies ist der Miiqaat der Leute aus Shaam (Palästina, Syrien, Jordanien, Libanon), aus Ägypten und aus den Maghrib-Staaten sowie derjenigen, die aus deren Richtung kommen.

Qarn al Manaasil: Dies ist der Miiqaat der Leute aus der Najd-Gegend des Königreichs Saudi-Arabien sowie derjenigen, die aus deren Richtung kommen.

Yalamlam: Dies ist der Miiqaat der Leute aus dem Jemen sowie derer, die aus deren Richtung kommen.

Dhaatu ‘Iraq: Dies ist der Miiqaat der Leute aus dem Irak sowie derer, die aus deren Richtung kommen.

Hinweis: Erreicht man das Königreich Saudi-Arabien über den Luftweg mit Ankunft in Jeddah mit der Absicht, ‘Umrah oder Hadsch zu verrichten, so begibt man sich in den Ihraam-Zustand sobald man den ersten Miiqaat überfliegt. Die Stadt Jeddah ist kein Miiqaat sondern liegt innerhalb der Miiqaat-Grenze.

Wichtig: Beabsichtigt eine Person, die sich innerhalb des „Heiligen Bezirks“ (Al-Haraam) Makkahs befindet, die kleine Pilgerfahrt (‘Umrah) zu verrichten, so muss sie diesen Bezirk verlassen, um sich außerhalb des Haraam-Bezirks in den Ihraam-Zustand zu begeben. Ein bestimmter Ort außerhalb des Haraam-Bezirks ist nicht vorgeschrieben.

Kleidungsregelung für den Ihraam-Zustand

Für Männer gilt das Verbot des Tragen jeglicher zugeschnittener Kleidung sowie das Verbot jeglicher Bedeckung des Kopfes (sei es auch nur mit einem Stück Stoff, einer Decke, einem Handtuch o.ä.) und das Verbot des Tragen von geschlossenen Schuhen sowie Strümpfen etc. Als „zugeschnittene“ Kleidung gilt jegliche Kleidung, die als solche auf die Körperform passend hergerichtet wurde.

Erlaubt sind beispielsweise: Uhren, Brillen, Gürtel (auch wenn genäht), Sonnenschirme, Ringe, Pflaster, Verbände, Taschen, Kopfhörer…

Für Frauen gilt das Verbot des Tragen der Gesichtsbedeckung (Burqa’, Niqaab) sowie das Verbot des Tragen von Handschuhen. Ansonsten trägt die Frau wie gewohnt die ihr durch die islamische Regelung vorgeschriebene Kleidung.

Hinweis: In der Gegenwart fremder Männer ist die Frau verpflichtet, ihr Gesicht mit dem Schleier ihrer Kopfbedeckung/ ihres Überwurfs (Khumur) zu verdecken, wie u.a. aus einer authentischen Überlieferung von ‘Aaishah -Allahs Wohlgefallen auf ihr- hervorgeht, die bei Ahmad, Abu Dawuud und Ibn Maajah überliefert ist. Auch die Hände sollten dann mit der Kleidung bedeckt werden, wie beispielsweise in den langen Ärmeln des Mantels.

At-Talbiyah

Die Talbiyah ist das Aussprechen der Worte:

„Labaik Allahumma labaik, labaika laa shariika laka labaik, inna-l hamda wa-ni’mata laka wa-l mulk, laa shariika lak.“
„Hier bin ich O Allah, Dir zu dienen; hier bin ich, Dir zu dienen. Hier bin ich, Dir zu dienen; Du hast keinerlei Teilhaber, hier bin ich, Dir zu dienen. Wahrlich, aller Lob und jede Wohltat sind Dein und die Herrschaft. Du hast keinerlei Teilhaber.“

Die Talbiyah muss an der Grenze (Al-Miiqaat) bevor man sie überschreitet mindestens einmal ausgesprochen werden, wenn man die entsprechende Absicht des Hadsch oder der Umrah gefasst hat und sich somit in den Ihraam-Zustand begibt.

Für Männer gilt: Die Talbiyah wird der Sunnah entsprechend laut und vernehmbar gesprochen.

Für Frauen gilt: Die Talbiyah wird für andere nicht vernehmbar gesprochen.

Verbote während des Ihraam-Zustands, die bei Mißachtung eine Sühnetat notwendig machen

1.►Bedecken des Kopfes (Frauen tragen die zur islamischen Kleidung gehörige Bedeckung)

2.►Kürzen oder Entfernen von Kopf- oder Körperhaaren

3.►Kürzen von Finger- oder Fußnägeln

4.►Aufbringen von Parfum oder sonstigen Geruchsstoffen auf Körper oder Kleidung (beispielsweise durch Nutzung parfümierter Seife, Cremes etc.)

5.►für Männer: Tragen von als solche genähter Kleidung, für Frauen: Tragen von Gesichtsbedeckung (Burqa’, Niqaab) und Tragen von Handschuhen

6.►Erlegen von Landwild

7.►Sexuelle Berührung

8.►Abschluss eines Ehevertrags, Verlobung oder das Anhalten um die Hand einer Frau oder Anbahnung einer Heirat

9.►Geschlechtsverkehr

Erforderliche Sühnetat:

Bei Missachtung einer der Punkte von Nr. 1 bis 5 gilt: dreitägiges Fasten, wer dazu nicht imstande ist: Speisen von sechs Bedürftigen, wer dazu nicht imstande ist:

Erbringen eines Schlachtopfers in Form eines Schafes, dessen Fleisch an bedürftige verteilt wird.

Bei Missachtung von Nr. 6: Erbringen eines dem erlegten Wild gleichwertigen Schlachtopfers, dessen Fleisch an bedürftige verteilt wird.

Bei Missachtung von Nr. 7: Erbringung eines Schlachtopfers in Form eines Schafes, dessen Fleisch an bedürftige verteilt wird.

Bei Missachtung von Nr. 8: Dies gilt als Sünde und macht wie alle übrigen Sünden die aufrichtige Reue notwendig.

Bei Missachtung von Nr. 9: Dies macht den gesamten Hadsch ungültig, wobei er trotzdem vollständig zu Ende geführt werden muss. Außerdem muss ein Schlachtopfer in Form eines Kamels erbracht werden, dessen Fleisch an bedürftige verteilt wird. Ist dieses Schlachtopfer nicht möglich, so müssen zehn Tage gefastet werden. Der Pflicht-Hadsch muss bei nächster Gelegenheit wiederholt werden.

Hinweis: Wird eines dieser Verbote aus Vergesslichkeit und ungewollt missachtet, so besteht keine Notwendigkeit für eine Sühnetat.

Sunan des Ihraam (Taten entsprechend dem Vorbild des Propheten –Ehre und Heil auf ihm-die jedoch keine zwingende Pflicht darstellen)

1.► Kürzen der Finger- und Fußnägel, stutzen des Oberlippenbarts, entfernen der Achselhaare und rasieren der Schambehaarung vor Eintritt in den Ihraam-Zustand, wenn zu erwarten ist, dass diese Dinge notwendig werden, während man sich im Ihraam-Zustand befindet.

2.► Ganzkörperwaschung vor Eintritt in den Ihraam-Zustand (gilt auch für Frauen, die ihre Regelblutung oder Nachgeburtsblutung haben).

3.► Aufbringen von Parfum o.ä. auf den Körper vor Eintritt in den Ihraam-Zustand (nicht auf die Ihraam-Kleidung! Sollte der Geruch/ das Parfum vom Körper auf die Kleidung übergehen, so stellt dies kein Problem dar.)

Hinweis: Frauen müssen nach islamischer Regelung allgemein darauf achten, dass der Geruch von Duftstoffen nicht für fremde Männer wahrnehmbar ist.

4.► Für Männer: Anlegen zweier weißer, sauberer Tücher.

5.► Das Fassen der Absicht (Niyah) und somit der Eintritt in den Ihraam-Zustand nach einem Pflicht oder Naafilagebet.

6.► Wiederholen und vermehrtes Sprechen der Talbiyah.

Hinweis: Während der ‘Umrah wird die Talbiyah bis zum Beginn des Tawwaafs gesprochen. Während dem Hadsch wird die Talbiyah bis zum Beginn das Werfen der Steinchen (Jamratu-l ‘Aqabah) am Morgen des 10. Tages des Monats Dhi-l Hijjah gesprochen.

7.► Sprechen von Bittgebeten (Du’aa) sowie das Bitten Allahs um Ehre und Heil für den Propheten Muhammad -Segen und Heil auf ihm- am Ende des Sprechen der Talbiyah bei derer zeitweisen Unterbrechung.

8.► Sprechen der Worte:

„Inna mahillii haithu tahbisunii.“
sinngemäße Übersetzung: „Mein Austritt aus dem Ihraam-Zustand soll an dem Ort geschehen, wo Du (O Allah) mich aufhältst.“

Diese Worte sollten von demjenigen beim Eintritt in den Ihraam-Zustand gesprochen werden, der aufgrund einer Krankheit o.ä. fürchten muss, seine Pilgerfahrt nicht vervollständigen zu können. Dies gilt insbesondere auch für Frauen, die mit dem Eintritt ihrer Regelblutung rechnen müssen. Im Fall einer Verhinderung der Ausführung des Hadsch oder der ‘Umrah z. B. durch Krankheit o.ä. ist dann kein Schlachtopfer notwendig, um den Ihraam-Zustand zu verlassen.

Austritt aus dem Ihraam-Zustand bei Vervollständigung der Umrah:

Nachdem man den Sa’ii der ‘Umrah vollendet hat, kürzt man die Haare (für Männer auch rasieren der Haare). Mit dem Kürzen der Haare wird der Ihraam-Zustand aufgehoben und die ‘Umrah gilt als vollendet. Bitte beachten: Männer müssen ihr gesamtes Kopfhaar kürzen oder rasieren. Es genügt nicht, lediglich einen Teil zu kürzen.

Frauen sollen von jeder Haarsträhne (egal ob kurz oder lang) die Länge einer Fingerspitze kürzen.

Austritt aus dem Ihraam-Zustand bei Vervollständigung des Hadsch:

Am 10. Tag des Monats Dhi-l Hijjah werden die Steinchen am Ort des Jamratu-l ‘Aqabah geworfen und wenn ein Opfertier für die entsprechende Art des Hadschs erforderlich ist, wird dieses geschlachtet. Auch werden die Haare gekürzt (Sunnah für den Mann: Rasieren der Haare). Mit dem Kürzen der Haare ist nun der Ihraam-Zustand teilweise aufgehoben. Es ist nun alles erlaubt, was nach islamischer Regelung außerhalb des Ihraam-Zustands erlaubt ist, außer Geschlechtsverkehr. Erst mit Erfüllung des Tawwaaf al Ifaadhah wird dann der Ihraam-Zustand vollständig aufgehoben.

Vorraussetzungen für die Pflicht des Hadsch
Hajj 2020
Das Umrunden der Ka’bah – Die zweite Säule

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